05:30h kann nicht mehr schlafen. Noch mal Taschen überprüfen, ob alles eingepackt ist. Es mutet echt wie eine Expedition an, Essen muss mit hochgenommen werden, Koch, Träger, Wechselklamotten, Fotoequipment, Drohne etc.
Ich weiss auch heute früh noch immer nicht warum ich mir das antun will. 1/3 Schwarzwaldwanderung, 1/3 alpin, 1/3 free climbing ohne Seil 100m senkrechte Wand auf allen vieren, das ist die Vorhersage.
Alles um in den grössten Lavasee der Welt zu blicken.
Ich bin ja eigentlich null der Bergwanderungstyp, aber habe eine Freundin, die Lava liebt und einen Freund, der immer gut informiert ist über afrikanische Vulkane, bis gestern habe ich mir einfach keine Gedanken darüber gemacht.
Wir werden sehen und ich werde in Wort und Bild berichten.
08:30h pick up zum Ranger Posten, dort müssen wir uns eintragen und unser Permit vorzeigen.

Dann werden unsere Sachen auf die Träger verteilt und wir lernen unseren Koch kennen.
Es gib noch ein kleines Einweisungsgespräch, dass wir als Gruppe hoch gehen, dass es keine competiton ist, sondern eine expedition usw.

Wir starten auf 2000 Höhenmeter und müssen rund 1400 Höhenmeter überwinden auf 3470 Meter.
Wir sind insgesamt 12 Leute aller Nationalitäten und Altersgruppen die loslaufen. Wir haben gefühlt mindestens genauso viele Träger dabei.

Nach jeder Stunde gibt es 15 Minuten Pause. Am Anfang ist es eher noch wie eine Wanderung,a ich wenn die Luft wärmer ist und der Wald urwaldiger.




Der zweite Teil ist dann schon deutlich steiler, ich habe jetzt aber nach ausziehen einer Schicht Klamotten meinen Rhythmus mit den Wanderstöcken gefunden. diese sind wirklich hilfreich und die Politik der kleinen Schritte hilft auch. die dritte Stunde fühlt sich an wie nur 20 Minuten. Der Nyiragongo kommt in Sicht.

Noch 700 Höhenmeter, wir befinden uns jetzt auf Höhe des sogenannten „Überlaufvulkan“ und somit auf Höhe des Lavasees im Nyiragongo !! Der Nyiragongo eruptiert nicht explosionsartig nach oben, wie man immer denkt, sondern entleert seinen Lavasee durch aufbrechende Spalten in diesen Vulkan, der dann sozusagen überläuft.
Rein theoretisch wären wir bei einer Eruption ab jetzt sicher…



Dann gibt es noch mal einen Stop 100 Höhenmeter vor dem Gipfel, die Hütten sind schon deutlich zu sehen und die Vegetation ist weniger geworden, aber dennoch grün bis oben hinauf, was ich mir anders vorgestellt habe.

Wir laufen durch ein tolle Lobelienzone.


Letzte Kräfte sammeln kurz vor dem Ziel, es geht nicht auf allen vieren, wie vorhergesagt, sondern ist einfach nur steil.
Oben angekommen sind alle Bedenken und Anstrengung schlagartig zerstreut….




Dieser Blick war alles wert. 5 1/2 Stunden Aufstieg.
Ich frage beim Ranger nach, ob ich die Drohne fliegen lassen darf, ja klar aber die letzten zwei seien in den Krater gefallen… Ich baue mal alles zusammen, die Drohne zeigt an Kompasskalibrierung nötig, ich kalibriere x-mal nix geht. Vorsichtig starte ich und will versuchen, ob ich trotzdem steuern kann. Nach einem Bild totaler Kontrollverlust, die DJI macht was sie will und stürzt schliesslich ab…
zum Glück am Kraterrand. Einer der Ranger erklärt sich bereit mit mir suchen zu gehen, wir finden sie mit noch rotierenden Propellern nach unten rasselnd. Gemeinsam gelingt es uns die Batterie zu entfernen und die Drohne nur mit gebrochenen Flügeln wieder zurück zu bringen. Ikarus ….
Auf den Scheck gibt es jetzt erst einmal Abendessen- Nudeln mit Bohnen und Würstchen, Portionen wie wenn wir 3 Wochen gelaufen sind, alle sind sehr bemüht und bringen uns sogar Kaffee hoch zum Krater.



Es wird kälter und die Nacht bricht an und das Lavaschauspiel wird noch spektakulärer. Ich laufe von unserem festen Zelt zur Kraterkante gefühlte 20x, Batterie, Stativ, andere Fotolinse.. etc.



Der Nyiragongo ist einer der acht Vulkane, die zum ostafrikanischen Grabenbruch gehören. Ein Stratovulkan mit dem grössten Lavasee der Welt und derzeit der gefährlichste, da der aktivste.Der Lavasee hat einen Durchmesser von ca. 1000m und liegt in ca. 600 m tiefe von der Spitze des Vulkans aus.Mit steigenden Lavaseepegel gibt es Risse in der Aussenwand des Vulkans und Lava fliest ins Tal. Die letzte Eruption war 2011.
2002 kamen 147 Menschen in Goma ums Leben bei einem Ausbruch, damals lebten ca. 250.000 Menschen in Goma, heute Leben 1,2 Mio. in Goma, am Fusse des Vulkans !




Wir harren bis 23.00h aus, dann wird es zu kalt und wir schlüpfen in unsere Schlafsäcke in den einfachen Unterkünften am Kraterrand.









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